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Pressekonferenz "Vergessene Massengräber des Holocaust in Osteuropa"

 

Vergessene Massengräber des Holocaust in Osteuropa:

Würdige Grabstätten sind dringend erforderlich

 

 Aufruf zum 65. Jahrestag der Befreiung des

Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 2010

 

Am 27. Januar 2010 begeht Deutschland wie viele andere Nationen im Gedenken an die Opfer des Holocaust den 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Weltweit ist dieses Lager zum Synonym für den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden geworden. Trotz der großen Aufmerksamkeit, die dem Holocaust in der öffentlichen Wahrnehmung vielerorts zuteil wird, gibt es weiterhin eine verdrängte Realität, eine im wahrsten Sinne offene Wunde in der europäischen Landschaft:

Hunderttausende Juden aus der Sowjetunion wurden nicht in Lager deportiert und ermordet, sondern vor Ort dezentral von Einsatzgruppen, Wehrmachts- und Polizeieinheiten in Handarbeit erschossen. Dies betraf nicht nur Juden, sondern auch Roma und andere NS-Opfer. Ihre Leichen wurden vor Ort verscharrt und liegen bis heute in zumeist  ergessenen und überwiegend unmarkierten Massengräbern am Rande von Dörfern und Städten, zwischen Wäldern und Feldern. Die bis heute anonymen Grabplätze sind schutzlos Naturgewalten und Schändungen ausgesetzt.

Die Pariser Organisation Yahad–In Unum, die von dem französischen Priester Patrick Desbois geleitet wird, hat in den vergangenen Jahren in der Ukraine, Weißrussland und Russland mit Hilfe von Zeitzeugen und Archivstudien über 400 Erschießungsstätten mit mehr als 1000 Massengräbern identifiziert. Doch viele hundert Massengräber auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sind noch unentdeckt. Die Zeit drängt, da nur noch wenige Zeitzeugen Auskunft über die bisher undokumentierten Spuren des dezentral durchgeführten nationalsozialistischen Massenmordes geben können. Dabei ist die Konservierung und bauliche Umwandlung der Massengräber in würdige Grabstätten eine politische Aufgabe und ein ethisches Gebot.

Eine internationale Initiative hat sich daher zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für den Schutz dieser Massengräber als würdige Grabstätten einzusetzen. 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist es höchste Zeit sich dieser Aufgabe im Interesse der Würde der Opfer des Nationalsozialismus anzunehmen.

Welcoming Remarks by Deidre Berger

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch 20. Januar 2010 wurde die internationale Initiative im Berliner Büro des American Jewish Committee vorgestellt. Es sprachen:

Deidre Berger, AJC Ramer Institute of German-Jewish Relations, Berlin

Rabbiner Andrew Baker, American Jewish Committee, Washington D.C.

Pater Patrick Desbois, Yahad–In Unum, Paris

Stephan J. Kramer, Zentralrat der Juden in Deutschland, Berlin

Reinhard Führer, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Berlin

Philip Carmel, Lo Tishkach, Brüssel

Rabbiner Yaakov Dov Beich, Chief Rabbi of Kiev and Ukraine

Botschafter Christian Kennedy, Special Envoy for Holocaust issues, U.S. Department of State Office for Holocaust Issues

Jiri Cisteky, Shoa Legacy Institute, Prag

Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Chief Rabbi of Moscow, President of the Conference of European Rabbis

Dr. Kathrin Meyer, International Task Force for Holocaust Education, Remembrance, and Research (ITF), Berlin

Paul Shapiro, United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C. [written statement]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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