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Massenmord im Vernichtungslager Bełżec bleibt ungesühnt

Beschleunigung der noch anhängigen Verfahren gegen NS-Täter notwendig

Berlin – 22.11.2010 – Anlässlich des Todes des mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers Samuel Kunz, der vor dem Landgericht Bonn wegen seiner Mitwirkung am Massenmord im Vernichtungslager Bełżec angeklagt war, fordert das American Jewish Committee (AJC), die noch anhängigen Verfahren gegen NS-Täter zu beschleunigen und die Suche nach noch lebenden Tätern zu intensivieren. 

Hierzu Deidre Berger, Direktorin des Berliner AJC-Büros: „Es bleibt nicht mehr viel Zeit. Jeder weitere Tag, der verrinnt, ohne dass die noch greifbaren NS-Täter zur Verantwortung gezogen werden, ist ein verlorener Tag für die Gerechtigkeit“. 

Die Eröffnung der Hauptverhandlung gegen den 89jährigen Samuel Kunz, der Wachaufgaben im Vernichtungslager Bełżec verrichtet hat, stand unmittelbar bevor. Die zuständige Staatsanwaltschaft Dortmund legte ihm zur Last, an der Ermordung von mindestens 430.000 Menschen beteiligt gewesen und dabei zumindest 10 Juden eigenhändig erschossen zu haben. Seine Anwesenheit im Vernichtungslager Bełżec hat Kunz, der bis zu seiner Pensionierung als Beamter im Bundesbauministerium in Bonn tätig war, nie grundsätzlich abgestritten.

Deidre Berger: „Mit dem Tod von Samuel Kunz ist die letzte Chance verstrichen, den Mord an über 430.000 Juden in Bełżec juristisch angemessen aufzuarbeiten“. 

Nach dem Tod von Kunz ist nicht mehr damit zu rechnen, dass noch weitere Täter des Vernichtungslagers Bełżec zur Verantwortung gezogen werden können. Von den knapp 40 SS-Tätern ist lediglich einer zu einer geringen Freiheitsstrafe verurteilt worden, während die übrigen namentlich bekannten Mörder wegen der Annahme eines Befehlsnotstands u.a. im Münchener Bełżec-Verfahren 1964/1965 freigesprochen wurden. 

Deidre Berger: „Die deutsche Justiz hätte im Verfahren gegen Kunz endgültig mit dem Mythos des Befehlsnotstandes aufräumen können.“

In der Vergangenheit sind NS-Täter oftmals nicht verurteilt worden, da die bundesdeutsche Justiz zugunsten der Täter angenommen hatte, die Mordtaten seien unter Zwang verübt worden. Erst in den letzten Jahren hat eine neue Generation von Richtern und Staatsanwälten eine geänderte Rechtsauffassung durchgesetzt.

Das American Jewish Committee war zusammen mit der polnischen Regierung an der Errichtung der im Jahr 2004 eingeweihten neuen Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Bełżec beteiligt. Im Vernichtungslager Bełżec sind in den Jahren 1942 und 1943 mindestens 434.508 Menschen ermordet worden.

 



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