PRESSEMITTEILUNG
Der Online-Händler Amazon.de vertreibt über seine Website rechtsextreme Bücher, in denen gegen Juden gehetzt,der Nationalsozialismus verharmlost und der Holocaust geleugnet wird. Das American Jewish Committee (AJC) fand bei stichprobenartigen Recherchen Anfang Juli 2009 rund 50 einschlägige Bücher im Katalog von Amazon.de. Das Berliner Büro des AJC hat daher heute gegen Amazon.de Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet.
„Es ist inakzeptabel, dass bei Amazon.de mit Büchern gehandelt wird, die ansonsten nur als Bückware inrechtsextremen Szeneläden zu bekommen sind“, so Deidre Berger, Direktorin des Berliner Büro des American Jewish Committee. „Wir dürfen nicht zulassen, dass durch die Ausbreitung des Online-Handels die Gesetze, die die Leugnung des Holocaust und die Hetze gegen Minderheiten in Deutschland unter Strafe stellen, ausgehöhlt werden.“
Erst im Juni war Amazon.de wegen seiner Kooperation mit der rechtsextremen NPD kritisiert worden. Auch Bücher aus dem vom Verfassungsschutz beobachteten NPD-Verlag „Deutsche Stimme“ finden sich im Katalog von Amazon.de. Das Unternehmen hatte laut Presseberichten dazu erklärt, grundsätzlich keine eigene Bewertung der angebotenen Titel vorzunehmen. Lediglich solche Bücher, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert seien, würden aus dem Angebot entfernt.
Das American Jewish Committee begrüßt daher die Forderung des Innenausschussvorsitzenden des Deutschen Bundestags, Sebastian Edathy, nach Einrichtung einer „Freiwilligen Selbstkontrolle des Buchhandels“, um die Verbreitung volksverhetzender Bücher einzudämmen. „Es ist schockierend, dass ein international tätiger Buchvertrieb nicht bereit ist, Bücher aus dem Angebot zu nehmen, die Antisemitismus schüren und dadurch den demokratischen Konsens in Frage stellen.“
Unter den vom AJC im Katalog von Amazon.de gefundenen volksverhetzenden Büchern fanden sich auch etliche als jugendgefährdend indizierte Bücher, beispielsweise der Neonazi-Klassiker „Der Auschwitz-Mythos“ von Wilhelm Stäglich sowie indizierte Bücher der Revisionisten Germar Rudolf, Udo Walendy, Jürgen Graf und Carlo Mattogno.
Für die Bücher etlicher antisemitischer Autoren und Holocaustleugner schaltet Amazon.de unterdessen gezielt Werbeanzeigen bei der Suchmaschine Google, so für die Bücher von Erich Glagau, Paul Rassinier, Hennecke Kardel und Udo Walendy, zeitweilig auch für die Bücher von Germar Rudolf. Gibt man bei der Suchmaschine beispielsweise den Namen von Erich Glagau ein, der in etlichen Büchern gegen Juden gehetzt hat, so erscheint über oder neben den Suchergebnissen ein Werbebanner von Amazon, das mit nur einem Mausklick zum Angebot einer antisemitischen Schmähschrift mit gefälschten Talmud-Zitaten führt.
„Wir fordern Amazon.de auf, jetzt aktiv zu werden und alle strafbaren Bücher sofort aus dem Katalog zu entfernen“, fordert Deidre Berger abschließend.
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