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Das American Jewish Committee trauert um Richard Sonnenfeldt

  PRESSEMITTEILUNG

14. Oktober 2009 – New York/Berlin – Das American Jewish Committee (AJC) trauert um Richard Sonnenfeldt, der am vergangenen Wochenende in Port Washington, N.Y. verstorben ist. In Deutschland wurde er unter anderem durch bekannt, dass er als Chefdolmetscher beim Nürnberger Prozess  die Verhöre der Hauptkriegsverbrecher übersetzte.

Das AJC Berliner Büro hat im Jahr 2002 Richard Sonnenfeldt zu einer Vortragsreise eingeladen, die auf große öffentliche Resonanz stieß. Daraufhin veröffentlichte er, ermuntert vom AJC und die außerordentlich starke öffentliche Resonanz, seine Autobiographie „Mehr als ein Leben“ (2003) in Deutschland. In ihr berichtet der er von den vielen Begegnungen mit den Angeklagten bei den Nürnberger Prozessen. Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Büros, erinnert sich:

“Richard Sonnenfeld erzählte mit großer Kraft und Begeisterung seine Geschichte. Er erreichte Tausende Menschen, jung und alt, berichtete über seine Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland und auch über seine spätere Mitwirkung als Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen, durch die die Verurteilung der Täter möglich gemacht wurde.“

Berger fügte hinzu:

„Wir freuen uns, dass Richard es uns erlaubte, einen Ausschnitt aus seinem Bestseller ‚Mehr als ein Leben' für ein Schulprogramm des AJC zu verwenden. So wird Richards Geist in den zukünftigen Generationen Deutscher weiterleben, was ihm viel bedeutet.“

David Harris, Executive Director des AJC, fügte hinzu: “Richard war ein bemerkenswerter Mann. Seine Lebensgeschichte ist fast unvorstellbar. Er besaß unglaublichen Mut, Zähigkeit und Weisheit. Er war außerdem ein leuchtendes Beispiel der inspirierenden Generation, die, nachdem sie Nazi-Deutschland und seine Verbündeten besiegt hatte, ohne Aufsehen neue Leben aufbauten, Familien gründeten und sich im Beruf etablierten. Im Fall von Richard Sonnenfeldt fand all das natürlich noch in einem neuen Land statt, vor dem Hintergrund, was mit seiner Familie passierte. Das macht seinen Lebenslauf sogar noch bemerkenswerter.“

Als deutscher Jude floh Sonnenfeldt 1938 mit 15 Jahren nach England. Über Australien und Indien gelangte er auf abenteuerlichen Wegen in die Vereinigten Staaten. Dort meldete er sich freiwillig zur Armee, kämpfte von Frankreich ausgehend unter den Truppen, die das Konzentrationslager Dachau befreiten.

Während des Krieges wurde er vom Office of Strategic Services (OSS), dem Vorgänger der CIA, zur Vorbereitung des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals rekrutiert. Er wurde der Chefdolmetscher bei den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, zuerst für die OSS-Gruppe und später für das Anklageteams, das die inhaftierten nationalsozialistischen Kriegsverbrecher verhörte.

Nach seiner Militärzeit absolvierte Sonnenfeldt an der Johns Hopkins Universität als Bester seines Jahrgangs ein Ingenieursstudium, worauf eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft folgte. Als technischer Entwickler erwarb er viele Patente, u.a. bei der Entwicklung des Farbfernsehens und bei NASA-Projekten.

Das AJC spricht den trauernden Hinterbliebenen, von denen viele enge Freunde sind, sein tief empfundenes Mitgefühl aus. Möge die Erinnerung an Richard Sonnenfeldt immer ein Segen sein.



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